Das Königreich der Khmer

Als nächstes flog ich von Laos direkt nach Siem Reap in Kambodscha. Hier wartete bereits Larissa auf mich, die ich ja in Thailand kennengelernt hatte. Wir teilten uns ein nettes, kleines Zimmer (mit Beistellbett) in einem total schnuckeligen, kleinen Bed & Breakfast. Die Betreiber, eine nette Khmer Dame mit niederländischem Lebensgefährten, hatten neben meiner Abholung durch unseren super netten Fahrer auch den Transport für die nächsten vollen 4 Tage mit ihm organisiert. Die TukTuks sind hier übrigens Anhänger hinter Motorrädern, richtige kleine Kutschen und wie überall in Asien, sehr kreativ ausgestaltet. Roth (unser Fahrer) hat ein total lustiges “Coffee TukTuk” und hat uns – statt mit Kaffee – stets mit gut gekühltem Wasser versorgt.

Erste Station: Siem Reap Killing Fields

Unseren ersten vollen Tag verbrachten wir in und um die Stadt Siem Reap. Los ging es gleich mit einem schweren Thema: den Killing Fields im Wat Thmey. Das Thema wird in den nächsten Beiträgen noch öfter und genauer vorkommen, daher hier nur eine ganz kurze Einführung: In den 1970er Jahren übernahmen die Roten Khmer unter der Führung von Pol Pot die Macht in Kambodscha und versuchten mit aller Gewalt eine totalitäre, kommunistische Gesellschaft zu gründen. Dabei richteten sich die Roten Khmer gegen ihre eigenen Landsleute. Sie wurden zwangsumgesiedelt, zur landwirtschaftlichen Zwangsarbeit gezwungen und jeder halbwegs gebildete Mensch wurde interniert und größtenteils auch ermordet. Eben genau so ein “Killing Field” mit Massengräbern gab es hier. Insgesamt gibt es über 300. Heute steht hier ein Tempel. Es wird auf Tafeln einmal um das Gelände geführt, aber die Informationen bleiben rudimentär. Ausgegrabene Schädel wurden teilweise in Stupas aufgeschichtet, aber diese waren schnell voll, so dass die Massengräber heute nicht mehr ausgegraben und umgebettet werden.

Apopo Hero Rats

Der nächste Stopp hatte es auch in sich, aber mit einem positiveren Gefühl. Wir besuchten die belgische NGO (Nicht-Regierungsorganisation) APOPO, welche in Tansania afrikanische Beutelratten zum Aufspüren von Landminen (und erschnüffeln von Tuberkulose) ausbildet. Die freundlichen Tiere wiegen nur etwa 1 kg, weshalb sie Landminen in der Regel nicht auslösen, selbst, wenn sie darauf stehen. Klassischerweise sucht man verborgene Sprengkörper mit Metalldetektoren. Das dumme dabei ist aber, dass sie natürlich alles metallische finden, also auch Schlüssel, Münzen etc. pp. Es gibt also sehr, sehr viele “falsch-positive” Alarme. Das kostet Zeit und Geld. Darüber hinaus gibt es sehr viele moderne Landminen, die aus Plastik sind. Die Metallteile darin sind so klein, dass die Metalldetektoren nicht anspringen. Sehr gefährlich für die suchenden.

Hier kommt nun APOPO in’s Spiel. Damit ich nicht die komplette Webseite nacherzähle, hier die Kurzform: Wird ein Minenfeld vermutet oder lokalisiert, schickt man zuerst Hunde. Diese sind darauf trainiert, sich bei dem Geruch von Sprengstoff einfach nur hin zu setzen. Diese Punkte in den Planquadraten werden nun grob markiert. Anschließend schickt man eine Ratte an einer Schnur los. Die Ratte läuft hin und her, bis sie Sprengstoff riecht und anfängt zu buddeln. Nun hat man die exakte Lokation und kann ein Entschärfungsteam los schicken. Die Ratten haben dabei eine 50-mal höhere Treffsicherheit als Metalldetektoren, sind einfacher zu halten und zu trainieren als Hunde, vermehren sich schneller und überhaupt sind sie absolute HEROrats! Ich war restlos begeistert und habe nicht nur gespendet, sondern auch ein HEROrat T-Shirt gekauft. Hier sehr ihr die Ratten im Video in Aktion! Es werden übrigens noch 4 bis 6 Millionen nicht explodierte Landminen in Kambodscha vermutet… Opfer sind meist spielende Kinder oder Farmer.

Royal Garden

Nach so viel Grauen (und deren Bekämpfung), musste etwas “ganz normales” her. Daher ging es erst einmal kurz zum Royal Garden. Leider ist der winzig klein und so garnicht das, was wir uns darunter vorgestellt haben. Es gab noch einen kleinen Tempel wo musiziert wurde. Ansonsten haben wir an einer kuriosen Tankstelle gehalten und sind noch bei einem anderen Tempel vorbei gehuscht.

Cambodia National Museum

Anschließend folgte ein Besuch des Cambodia National Museum zur Vorbereitung auf die Tempel von Angkor in den nächsten Tagen :) Wir sahen tolle Exponate von uralten Buddhas, hinduistische Gottheiten bis hin zu besonders schönen Steingravuren aus den Tempeln. Wir lernten, dass die alten Khmer Hinduisten waren, ebenso wie die Cham im alten Champa, wo heute Süd-Vietnam liegt. Hier drehte sich im Grunde auch alles um Shiva, Ganesha, Lakshmi, Hanuman und all die anderen. Die alten Khmer waren Meister ihres Fachs. Auch die Schrift basiert auf einer alten Version des Sanskrit. Die ältesten in Stein gemeißelten Texte stammen aus dem 6. und 7. Jahrhundert. Das machte definitiv schon Lust auf die Tempelstadt!

Berge und Reis

Auf dem Weg zum letzten Tagesordnungspunkt machten wir an einem Berg zwecks Aussichtspunkt und an einigen Reisfeldern halt. Roth, unser Fahrer erzählte uns dabei einen Schwank aus seiner Jugend, wo er auf solchen Feldern selbst gearbeitet hat. Ich liebe das satte Grün der Felder und wir konnten außerdem einige hübsche Libellen beobachten. Ein paar nette, kleine Zwischenstopps.

Lotus Farm

Die letzte Station des Tages war eine Lotus Farm. Viele Farmer haben Tümpel, in welchen sie Lotus züchten. Die Blüten werden häufig an Tempel verkauft. Die Früchte kann man essen (es gibt sie auch zum Knabbern wie Chips, allerdings sind sie steinhart). Übrig bleiben aber die Stämme. Die Farm baut selbst gar keinen Lotus an, sondern kauft die (sonst weg geworfenen) frischen Blütenstängel auf. Und dann – passiert Magie. Ich musste es filmen, denn es ist wirklich etwas schwer zu erklären. Die Stängel werden angeritzt, abgeknickt und zwischen den beiden Stücken ziehen sich auf einmal stabile, dünne Fasern. Diese müssen feucht gehalten werden, während man sie über ein Holz zieht und dann durch drüber reiben verzwirnt. Und schwuppdiwupp, hat man einen total stabilen Faden. Der ist ein bisschen wie weicherer Flachs. Die Fäden werden aufgewickelt, teilweise gefärbt und dann zu tollen Stoff-Produkten verwoben.

Aber das ist noch nicht alles. Die kurzen Stängel-Stücke werden gehäckselt und zu Papier verarbeitet. Ein Teil wird auch irgendwie “entsaftet” und zu veganen Lederprodukten verarbeitet. Ziemlich cool, was man aus den Stängeln noch so machen kann. Am Ende gab es auch noch Lotus-Tee zum Sonnenuntergang und eigentlich hätte es auch Lotus-Kuchen geben sollen, aber der war wohl schon ausverkauft…

Abendessen deluxe

Nachdem wir zurück in unserer Unterkunft waren, ging unser erster Tag damit zu Ende, dass unsere Gastgeber ganz wundervoll Essen für uns kochten. Es hat ganz wunderbar geschmeckt und wir hatten großen Spaß! Damit ging ein toller, erster Tag zu Ende.

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